Chronik

Die Gemeindlichen Werke Hengersberg

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Die Geschichte der Gemeinde Hengersberg lässt sich weit zurück verfolgen und mit ihr auch die Geschichte der Wasser- und Stromversorgung.Im Ortsteil Schwarzmühle, wo auch heute noch elektrische Energie erzeugt wird, wurde vor ca. 120 Jahren das erste Elektrizitätswerk im Landkreis Deggendorf gebaut.

Die erste öffentliche Wasserversorgung hat dagegen schon vor über 200 Jahren stattgefunden.

Während die Elektrifizierung der Industrie, Gewerbe und Privathaushalte voranschritt, ging die Verantwortung der Stromversorgung vom Privatunternehmer in die kommunale Hand über. Die Strom- und Wasserversorgungsnetze wurden immer wieder ausgebaut und den Anforderungen angepasst.

In den 40er Jahren bezogen die gemeindlichen Werke erstmals Strom aus dem Verbundnetz der OBAG (Regionalversorger im ostbayrischen Raum der Energieversorgung Ostbayern) und verlagerten damit den Schwerpunkt des Unternehmens vom kommunalen Stromerzeuger zum örtlichen Verteilungsunternehmen.

Die erste Fernwasserversorgung fand in den 70er Jahren statt, nachdem der steigende Wasserbedarf zu Versorgungsengpässen führte.

Inzwischen wird nahezu der gesamte Wasserbedarf durch die "Wasserversorgung Bayerischer Wald" gedeckt.

100 Jahre Strom - 200 Jahre Wasser

100 Jahre Stromversorgung für Hengersberg

Die erste Stromversorgung:
1892 erfolgte die erste Elektrifizierung in Hengersberg. Der Müller Franz Xaver Steininger baute in seinem Mühlenbetrieb an der Ohe das erste Elektrizitätswerk im Landkreis auf. In dem kleinen Wasserkraftwerk "Schwarzmühle" wir noch heute elektrische Energie erzeugt.

Zunächst wurde die verfügbare elektrische Energie nur für die Beleuchtung genutzt.

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Da dem Privatunternehmer für den weiteren Ausbau des E-Werkes die nötigen finanziellen Mittel fehlten, war zunächst die Umwandlung des Unternehmens in eine Genossenschaft in Erwägung gezogen worden. Um 1900 wurden bereits die "Schwarzacher" mit der neuzeitlichen Energie von Hengersberg aus versorgt. Die elektrische Energie setzt sich immer mehr durch, so dass noch während des Ersten Weltkrieges 1917 die Gemeinde Altenufer von Hengersberg aus versorgt wurde.

 

Nach jahrelangen Verhandlungen wurde das E-Werk 1920 in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit vom Markt übernommen. Damit konnte die Finanzierung für den Aufbau der Stromversorgung Hengersberg gesichert werden. Dies war der Anfang des kommunalen Elektrizitätswerks, durch das die Einwohner preiswert mit Strom versorgt wurden. In den ersten 50 Jahren lag die Stromerzeugung und -verteilung in Hengersberg in einer Hand.

Allerdings stellte das Werk eine reine Inselversorgung dar. Gewitter, Niedrig- bzw. Hochwasser genügten um die Stromerzeugung und -verteilung stillzulegen.

 

Entstehung der landesweiten Stromversorgung:
1908 gilt als das Gründungsjahr des Regionalversorgers im ostbayerischen Raum der Energieversorgung Ostbayern (OBAG). Bis dahin gab es nur die zentrale, d.h. private und kommunale Stromversorgung. Damit für Bayern ausreichende Stromerzeugung und landesweite Stromverteilung möglich war, wurde 1921 von der Bayerischen Staatsregierung die "Bayernwerk AG, München" gegründet. Das war die Entstehung der öffentlichen Stromversorgung mit ihren Teilbereichen Stromerzeugung, Stromtransport und Stromverteilung.

 

Strombezug von der OBAG
Zu einer ersten Verbindung mit dem "Verbundnetz" kommt es während des Zweiten Weltkrieges 1942. Seither beziehen die Gemeindlichen Werke in immer größeren Umfang elektrische Energie von der OBAG. So änderte sich der Schwerpunkt des Unternehmens vom kommunalen Stromerzeuger zum örtlichen Verteilungsunternehmen mit besonderer Nähe zum Endverbraucher.

 

Versorgung der Süddeutschen Zähler-Gesellschaft (Promag)
Mit der Aufnahme der Versorgung der Promag in Leebbergheim im Jahr 1944 wurde der erste Großkunde beliefert. Die bisherige Leistungsbereitstellung bei der OBAG von 60 kVA musste für die Promag um 100kVA aufgestockt werden. Durch den 1960 abgeschlossenen Vertrag mit der OBAG wurde das Versorgungsgebiet in der Gemeinde Schwarzach, Erlachmühle, Erlachhof, Leebbergheim und ein Teil der Ortschaft Schwarzach abgegeben.

 

Umstellung von Gleich- auf Drehstrom
1954 bis 1955 war das E-Werk gezwungen von Gleich- auf Drehstrom umzustellen. Bisher wurde mit einer Trafostation die Stromversorgung aufrechterhalten. Mit der Umstellung wurden drei weitere Stationen in Betrieb genommen, das Ortsnetz und die Hausanschlüsse (Dachständer) mussten vollständig neu gebaut werden.

 

Versorgung neuer Industrie- und Gewerbegebiete:
Weitere große Investitionen erfolgten dann 1962 im Zug der Industriegebietserschließung. Folgende Industriebetriebe wurden neu in das Versorgungsnetz eingebunden: 1963 EDSCHA, 1971 Bayerwald Früchteverwertung, 1981 Tonholzwerk Schwaiger, 1985 Sägewerk Schwaiger.

Für das Gewerbegebiet wurden 1980 bis 1981 die Stromversorgungsanlagen aufgebaut. Die Übergabestationen an der Erkerdinger Straße war ursprünglich für eine Leistung von 3000 kW ausgebaut. Die Einspeisung erfolgte über die Zuleitung von Leebbergheim, die 20 Jahre lang ihren Zweck erfüllte.

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Die neue Stromeinspeisung vom Umspannwerk in Seebach
Anfang der 80er Jahre reichte die vorhandene Anschlussleistung nicht mehr aus und eine Leistungsaufstockung auf 6300kW erforderte eine neue Stromeinspeisung vom Umspannwerk der OBAG in Seebach. Eine neue 20-kV-Doppelfreileitung von Seebach nach Hengersberg, eine Übergabestation an der Streibelstraße und Kabelleitungen zum Industrie- und Gewerbegebiet wurden gebaut.

Durch die Vergrößerung der Industriebetriebe und Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe stieg der Stromverbrauch überdurchschnittlich an.

 

Erhöhung der Anschlussleistung auf 20000 kVA und galvanische Trennung
1988 wurden die ersten grundsätzlichen Überlegungen für die Erhöhung der Anschlussleistung von 7000 kVA auf 20000 kVA verbunden mit der galvanischen Trennung des 20-kV-Netzes vom 20-kV-Netz der OBAG, angestellt. Damit neben den Leistungserhöhungen der bestehenden Industriekunden auch neue Industriebetriebe (1992 Betonwerk Bachl) sicher ans Stromversorgungsnetz angebunden werden können, fasste der Werkausschuss am 27. September 1989 den Beschluss, die notwendigen Investitionen zu Sicherstellung der Stromversorgung, verbunden mit einem Schalthausbau in Seebach, durchzuführen.

Mehr als zwei Jahre sind zwischen dem entsprechenden Werkausschuss-Beschluss und der Inbetriebnahme des Schalthauses in Seebach am 18.12.1991 vergangen. Das Schalthaus befindet sich in unmittelbarer Nähe des OBAG-Umspannwerkes und wird mit Einleiterkabel 12/20 kVA angefahren. Die Schaltanlage ist mit 10 Doppelfeldern bestückt und kann um 2 Doppelfelder erweitert werden. Die Schaltfelder sind an eine Doppelsammelschiene angeschlossen. Diese gewährleistet ein besonders hohes Maß an Verfügbarkeit der Stromversorgung. Über die bestehende 20-kV-Doppelfreileitung wird die elektrische Energie nach Hengersberg transportiert.

200 Jahre Wasserversorgung für Hengersberg

Anfänge der öffentlichen Wasserversorgung
Bereits vor über 200 Jahren gab es in Hengersberg eine öffentliche Wasserversorgung, die freilich nur aus einem Brunnen auf dem Marktplatz bestand, aus dem die Bevölkerung Trinkwasser holen konnte.

In einen Plan aus dem Jahr 1794 wird bereits eine Wasserleitung vom "Galgenhügel" zum Markt mit einem zweiten Brunnen an der heutigen Simon-Breu-Straße dargestellt. Bis ins 20. Jahrhundert wurden immer wieder Quellen gefasst und Leitungen gebaut, um öffentliche und wirtschaftliche wichtige Gebäude wie das Amtsgericht mit dem Gefängnis, das Rathaus und die Brauereien mit Wasser zu versorgen.

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Die erste zentrale Wasserversorgung
Die erste zentrale Wasserversorgung für einzelne Häuser wurde von 1930 - 1934 gebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt war dies die größte Baumaßnahme, die der Markt zu bewältigen hatte. Die benötigten Brunnen wurden an der Passauer Straße gegraben und Leitungen vom Pumphaus in den gesamten Marktbereich bis zum Hochbehälter Weingartl verlegt.

Mit dem Bau des Hochbehälters gab es zum ersten Mal eine "Wasserreserve" für Brandfälle. Über vier Jahre hinweg waren etwa 45 Männer mit den Erdarbeiten und dem Verlegen der Wasserleitungen beschäftigt, denn größere Baumaschinen, die diese Baumaßnahmen beschleunigt hätten, waren zu dieser Zeit noch nicht vorhanden. Deshalb mussten fast die gesamten Arbeiten ausschließlich durch die "Muskelkraft" der Arbeiter bewältigt werden.

Anfang der 50er Jahre gab es die ersten Schwierigkeiten bei der Wasserförderung. Es wurde vermutet, dass sich nach der Korrektion der Hengersberger-Ohe der Wasserspiegel um etwa 70 cm gesenkt hatte und daher die Wassermenge nicht mehr ausreichte. Zehn Jahre lang war eine ausreichende Wasserbeschaffung das Sorgenkind im Werkausschuss. Zunächst wurde die Erschließung des Quellgebietes Eichberg in Erwägung gezogen, dafür wurden von 1955 - 1960 regelmäßig Quellschüttungsmessungen durchgeführt und aufgezeichnet. Um eine größere Versorgungssicherheit zu erreichen - auch in Hinblick auf die Industriegebietserschließung - wurde dann aber einer Wassererschließung mit Tiefbrunnen der Vorrang gegeben. Ein Fernwasseranschluss war zu dieser Zeit noch nicht möglich, da eine überregionale Wasserversorgung erst in Planung war. So wurden an mehreren Stellen der Umgebung Bohrungen durchgeführt, wobei die östlich der "Schwarzmühlsiedlung" gelegene, die ergiebigste war.

Wasserförderung aus den Tiefbrunnen in der Erkerdinger Straße
Zur Erschließung der neuen Wasserförderung mussten von 1962 - 1964

  • Das Schutzgebiet ausgewiesen
  • Zwei Tiefbrunnen 41 und 53 Meter tief
  • Eine Ausbereitungsanlage
  • Rohrleitungen
  • Kabelleitungen

gebaut werden.


Die dazugehörigen Investitionen konnten nur mit Hilfe staatlicher Zuschüsse finanziert werden.

 

Der Wasserbedarf stieg von 1955 mit 67308 Kubikmeter bis 1963 um 40 % auf 93870 Kubikmeter an. Aus der neuen Anlage wurden sogar bis August 1968 die Textilwerke in Seebach mit Wasser versorgt.

 

Anschluss an die Fernwasserversorgung
Der stetig steigende Wasserbedarf konnte durch die ortseigenen Brunnen nicht mehr gedeckt werden, außerdem zeigte die Förderung aufgrund der Versandung der Wasserzuläufe eine rückläufige Tendenz. Konnten anfangs noch 20 l/s gefördert werden, ging die Menge schließlich auf 6 l/s zurück. Eine Regenerierung der Brunnen zeigte auch keinen Erfolg. Der Anschluss an die Fernwasserversorgung war daher unumgänglich. 1970 wurde deshalb erstmals Fernwasser von dem Tiefbrunnen aus Moos in den Hochbehälter eingespeist, so dass im Marktbereich Mischwasser geliefert wurde.

 

Neue Versorgungsgebiete durch die Gemeindegebietsreform
Im Zuge der Eingemeindungen erhielten die Gemeindlichen Werke 1971 die Orte Waltersdorf, Lapferding und Reichersdorf, die bereits an die Fernwasserversorgung angeschlossen waren, zur Wasserversorgung. Die im Jahr 1962 gebauten Wasserleitungen mit Quellwasserzufluss in Frohnstetten wurden ebenfalls durch die Gebietsreform übernommen. Für die weiteren Gebietsübernahmen Boxbach, Obersimbach, Lichtenöd, Hinterweinberg wird das Wasser von der Stadt Deggendorf (Boxbacher Quellen) bezogen.

 

Weiterer Ausbau der Wasserversorgung
Die Haushalte und landwirtschaftlichen Betriebe in Schwarzach, für die bereits eine Anschlussmöglichkeit bestand, wurden von den Gemeindlichen Werken schon vor der Gebietsreform ohne vertragliche Grundlage mit Wasser beliefert. Durch die Baugebiete wuchs das Rohrnetz stetig an. 1973 erforderte die Wasserknappheit in Frohnhofen den Bau einer Wasserleitung. 1986 konnten Buch und Mimming angeschlossen werden.

Um den weiter steigenden Wasserbedarf durch eigene Förderung decken zu können, beschloss der Werkausschuss einen 3. Brunnen bohren zu lassen. Dieser wurde im bestehenden Schutzgebiet an der Erkerdinger Straße errichtet, aus dem von 1980 bis 1987 gefördert wurde.

 

Stilllegung der eigenen Wasserförderung
Nachdem das Landratsamt Deggendorf das Wasserschutzgebiet im Markt für die öffentliche Wasserversorgung aufgehoben hatte, musste die Wasserförderung aus Brunnen I und II an der Erkerdinger Straße am 8. Januar 1991 eingestellt werden. Diese Anlagen und die Brunnen an der Passauer Straße stehen nur noch für eine Notversorgung zur Verfügung.

Der gesamte Wasserbedarf des Marktes wird durch die "Wasserversorgung Bayerischer Wald" gedeckt werden.

 

Wasserbezug aus der Talsperre Frauenau
Im Jahr 1983 erfolgte die Umstellung der Wasserlieferung von hartem Grundwasser aus Moos auf weiches Talsperrenwasser aus Frauenau. Das Talsperrenwasser ist ein weiches Wasser mit ca. 5 Härtegraden (deutscher Gesamthärte) und so dem Härtebereich 1 zuzuordnen.

 

Aufbau einer Wasserversorgung für das gesamte Gemeindegebiet

Es zeigte sich immer mehr, dass es im gesamten Gemeindebereich überwiegend bei den Einzelversorgungsanlagen Probleme bei der Trink-, Brauch- und Löschwasserversorgung gab. Eine gesicherte Wasserversorgung für den gesamten Außenbereich herzustellen, ist ohne staatliche Zuwendung nicht möglich. So beschloss 1987 der Werkausschuss, um Zuschüsse für die Wasserversorgung zu erhalten, die Gesamtplanung erstellen zu lassen, in der nachgewiesen wurde, dass jedes Haus an das Versorgungsnetz angeschlossen werden könne.

Mit dem symbolischen Spatenstich startet Bürgermeister Werner Bachmeier am 11. Oktober 1989 in Ellenbach den Ausbau der Wasserversorgung.