Der Telekom zehn Jahre voraus

Hengersberg verlegt Glasfaserleitungen und vermarktet auch die Anschlüsse selber


Von Robert Fuchs


Hengersberg. Nach den Breitbandzielen der Bundesregierung sollte jeder Verbraucher eigentlich bis Ende 2018 mit einem Tempo von mindestens 50 Megabit (MBit/s) im Internet surfen können. Auch wenn man noch ein ganzes Stück davon entfernt ist, wird von Seiten der Verantwortlichen alles getan, den weißen Fleck in der Digitallandschaft so schnell wie möglich zu beseitigen. Beispielgebende Kommune in Sachen schnelles Internet ist der Markt Hengersberg, der von Beginn der Digitaloffensive an alle Hebel in Bewegung setzte, nach derzeitigem Stand 70 Prozent der geplanten Ausbaumaßnahmen umgesetzt hat und in absehbarer Zeit seinen Bürgern ein hochleistungsfähiges Breitbandnetz anbieten kann.


Bauträger ist der Eigenbetrieb „Gemeindliche Werke", der das acht Millionen Euro teure, von Bund und Land geförderte Bauprojekt bis spätestens September 2020 komplett fertigstellen wird. Dann werden rund 60 Kilometer Tiefbaukabel und etwa 1000 Glasfaseranschlüsse verlegt, 38 Ortsteile und zwei Baugebiete mit einer schnellen Glasfaserverbindung in FTTH-Qualität (Fiber to he Home, deutsch Glasfaser bis in die Wohnung) ausgestattet.


Simultan dazu erfolgt durch die Gemeindlichen Werke der weitere Ausbau der öffentlichen Trinkwasser- und Erdgasversorgung. Kooperativ zum Breitbandausbau werden ca. 8,2 Kilometer Wasserleitung und 1,8 Kilometer Erdgasleitung mitverlegt. Insbesondere profitieren davon die Ortsteile Boxbach, Kading, Lohhof, Eming, Hub, Hubmühle, Killersberg, Hütting, Viehdorf und Reisach durch den zusätzlichen Anschluss an die öffentliche Trinkwasserversorgung und der Ortsteil Buch mit dem Anschluss an die öffentliche Erdgasversorgung.


Um über den aktuellen Sachstand und Bauzeitenkalender zu informieren hat der Geschäftsführer der Gemeindlichen Werke Hengersberg, Alexander Eberle, zu einer Pressekonferenz eingeladen, an der sich neben Bürgermeister Christian Mayer auch zahlreiche Markträte beteiligten. Einführend erklärte er, dass vom Markt Hengersberg zur Abwicklung des Breitbandausbaus über die Gemeindlichen Werke die „Glasfaser Hengersberg GmbH" gegründet wurde, von der bis zu 150 MBit/s Downloadgeschwindigkeit und bis zu 50 MBit/s Uploadgeschwindigkeit in allen Tarifen ohne Aufpreis angeboten werden können.


Als Alternative bietet die Glasfaser Hengersberg GmbH einen Breitbandanschluss über die Vectoring-Technologie, die ein Highspeed-Internet bis zu 100 MBit/s ermöglicht. Beim Vectoring, wie es flächendeckend bereits im Ortsteil Schwarzach gegeben ist, werden die herkömmlichen Kupferkabelnetze kostenschonend für höhere Geschwindigkeiten nachgerüstet.


Der eigenwirtschaftliche Vectoring-Ausbau stellt sicher, dass möglichst viele Anwohner an der schnellen und modernen Technologie teilhaben können. Im Marktbereich werden bereits 21 solcher Multifunktionsgehäuse errichtet, ließ Eberle wissen.


Insbesondere im Innerortsbereich von Hengersberg profitieren zunehmend flächendeckend eine Vielzahl von Haushalten von einem Internetanschluss mit bis zu 100 MBit/s. In Zusammenhang mit dem zunehmenden Stellenwert und der Wichtigkeit verwies Eberle darauf, dass der Breitbandausbau massiv vorangetrieben werden müsse. Dies aktiviere die Gemeindlichen Werke dazu, kooperativ mit Straßensanierungen, beispielsweise derzeit in der Erlachstrasse oder im Mühlviertel, den eigenwirtschaftlichen Ausbau auch in nichtgeförderten Innenortsbereichen zu forcieren. Damit werde auch sichergestellt, dass der flächendeckende FTTH-Ausbau in Hengersberg einem stabilen und kontinuierlichen Wachstum unterliege.


Eberle gab sich überzeugt, dass die Glasfaser gegenüber den konkurrierenden Technologien, etwa der kupferbasierenden Technik, entscheidende Vorteile und Alleinstellungsmerkmale aufweise, zumal die Übertragungsart mittels optischer Signale Datenübertragungsraten und Bandbreiten ermögliche, die um ein Vielfaches höher liegen, als die bisher genutzten. Hinzu komme die verlustfreie Übertragung, Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen, der Transport von großen Datenmengen über große Distanzen bei fast gleichbleibender Qualität und – was nicht minder wichtig sei – die Abhörsicherheit.


Glasfaser sei der Weg zu unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten, in eine sichere und lohnende Zukunft so Eberle, der den Anwesenden mit dem Bauzeitenkalender erläuterte, dass die Ausbaubereiche Oberreith, Unterreith, Hinterweinberg, Boxbach, Buch, Anzenberg, Hub, Hubmühle, Killersberg, Schwanenkirchen, Weickering, Hörpling, Würzing, Trainding, Eming, Pfaffing, Lapferding und Edermanning sowie die Verbindung von Unterfrohnstetten nach Oberfrohnstetten bereits fertiggestellt sind bzw. derzeit fertiggestellt werden.


Die Ausbauphasen Killersberg und Hütting (bis Mitte September), Sicking, Zilling (bis Ende September), Viehdorf, Reisach, Manzing, Schlott (bis Ende November) und Grubmühle (bis Dezember) schließen sich nahtlos an. In der Streiblstraße und Deggendorfer Straße (Richtung Ohebrücke) erfolgt der Ausbau zwischen März und Juni 2020.
Der endgültige Fertigstellungstermin sei September 2020, so Eberle, der ergänzte, dass die Inbetriebnahme des Glasfaseranschlusses sechs Schritte benötige, denen der Netzanschlussantrag vorausgehe. Danach folge die Prüfung der Anschlusssituation und Möglichkeit vor Ort, die Angebotserstellung, die Auftragserteilung durch den Kunden und der Bau des Breibandanschlusses.


Dazu informierte er über den neuen Internetauftritt der Glasfaser Hengersberg GmbH, der im Herbst 2019 in Betrieb gehen soll. Über die Eingabe seiner Adresse wird der Kunde unter anderem darüber informiert, ob er über einen Glasfaseranschluss verfügen oder über die Vectoring-Technik angeschlossen werden kann. Auftretende Störungen können über das Bereitschaftstelefon der Glasfaser GmbH jederzeit gemeldet werden, die sich umgehend um deren Behebung kümmert. Auch dies funktioniere bestens, was 300 hochzufriedene Kunden bestätigen können, so Eberle.
Bürgermeister Christian Mayer pflichtete bei und gab zu verstehen, dass er in seinem privaten Wohnhaus „Am Galgenhügel" zuvor mit einer Computergeschwindigkeit von 10 MBit/s auskommen musste. Durch den Glasfaseranschluss erreiche er nahezu die zehnfache Geschwindigkeit.


Auf Anfrage, warum sich die Telekom nicht des schnellen Kabels bediene, teilte Mayer mit, dass diese keine Mietgeschäfte mit einem Konkurrenzanbieter eingehe, zumal sie selber eigene Kabelleitungen verlegt habe. Im Vergleich dazu sei man zehn Jahre voraus, meinte Mayer, darauf verweisend, dass in Zukunft Geschwindigkeiten von bis zu 1000 MBit/s kein Problem darstellen dürften, wozu die Versorgung mit Glasfaser bestens geeignet sei bzw. diese alle Möglichkeiten zur Aufrüstung biete.


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